Buquoy im Gratzener Gebiet
Die Anwesenheit des Adelsgeschlechts Buquoy auf dem Gebiet Gratzens überstieg drei Hundertjahre. In dem spezifischen südböhmischen Umfeld gehört es zu den wichtigsten Repräsentanten der Aristokratie.
Das Adelsgeschlecht Buquoy kam in das böhmische Königtum im 17. Jh. aus Frankreich und aus dem heutigen Belgien. Der frühere Name des Geschlechts war Longueval nach der Burg, die Picardie in Nordfrankreich liegt.
Karl Bonaventura von Buquoy wurde am 9.1.1571 in Arras geboren, studierte an der dortigen Universität und wurde zum Kammerdiener auf dem königlichen Hof in Madrid. Mit 21 Jahren beteiligte er sich aktiv an den Kriegen des spanischen Königs Filip II., für seine Erfolge gewann er schnell Chargen und auch das Vermögen und im Jahre 1613 auch den Orden vom Goldenen Vlies. Im Jahre 1606 heiratete er Maria Magdalena Biglia, Gräfin de Sarona, die von einer der ältesten und einflussreichsten Mailänder Familien stammte. Nach der Prager Fenstersturz übernahm er das Oberkommando über den kaiserlichen Soldaten in Böhmen. An der Schlacht am Weißen Berg nahm er aktiv nicht teil (er führte sie liegend), denn er sich erholte von vorherigen Verletzungen. Ein halbes Jahr später starb er an der Spitze einer berritenen Truppe bei der heutigen Stadt Neuhäusel (Nové Zámky). Seine Gebeine sind in einem unbezeichneten Grab in Rosenberg in der Jungfrau-Maria-Kirche hingelegt. Der Graf bekam vom Kaiser am 6. Februar 1620 die Herrschaft Gratzen, Rosenberg und Libejovice. Die Schenkungsurkunde wurde auf Tschechisch geschrieben und vom Kaiser eigenhändig unterschrieben. Er hatte kein Geld für Löhnung für Soldaten, deshalb ersetzt er die Schuldbeträge durch die Schenkung der Herrschaft.
Nach dem Tod des Generals nahm sich die Herrschaftsverwaltung die Witwe Maria Magdalena an, weil ihr Sohn in dieser Zeit minderjährig war. Es war eine sehr fähige Frau, sie sprach in vier Sprachen, aber sehr wenig auf Deutsch oder auf Tschechisch. Nach dem Jahr 1635 siedelte sie nach Böhmen dauern um, womit auch der Aufbau der Residenz zusammenhängt. Ihren Städten bestätigte sie umfangreiche Privilegien, widmete ihnen Wälder, gründete Glashütten, baute Kirchen auf und im Jahre 1639 ließ sie bei Gratzen die Wasserleitung aufbauen. Am 15. November 1627 gewannen die Grafen das böhmische Inkolat – Recht zum Dauersitz, zur Bekleidung der hohen Ämter und zum Besitz der Güter, die Zuständigkeit zur böhmischen Herrschaft.
Karl Albert nahm den Besitz der Herrschaft nach seiner Mutti auf, aber er war in den spanischen Diensten tätig. Böhmische Herrschaften besuchte er wohl nur einmal. Unter seiner Regierung wurden die Barockherrichtungen in der Kirche in Gratzen und in Rosenberg vorgenommen. In seinem Testat tat er aus allen Herrschaften in Böhmen das Majorat, was ihre Unteilbarkeit in der Zukunft garantierte und sie vor dem Verkauf im Falle der finanziellen Schwierigkeiten schützte. Er erzeugte dreizehn Kinder.
Es folgte der älteste Sohn Ferdinand – kaiserlicher Rat und Kammerdiener. Im Jahre 1677 gründete er in Gratzen das Servitenkloster. Das Adelsgeschlecht setzte durch die Ferdinands Brüder fort.
Karl Philipp wurde von dem spanischen König Karl II. in den Fürstenzustand geadelt. Für Kommendes wurden er und seine Direktnachkommen Fürst de Longueval, Graf de Buquoy tituliert.
Die Herrschaft erbte Philipp Emanuel. Er ließ das Schloss in Libějovice aufbauen und unweit gründete er eine kleine Wallfahrtskirche Lomec. Er starb kinderlos.
Böhmische Güter erbte sein jüngste Onkel Albert Karl, österreichischer Hofrat. Unter seiner Regierung entstand der Jungrau-Maria-Himmelfahrt-Wallfahrtstempel in Brünnel.
Zum weiteren Eigentümer wurde Alberts Sohn Karl Kajetan, ein selbstbewusster Barockkavalier in der Funktion des obersten Hofmeisters des Königtums Böhmen. Er liebte den Luxus und Lustbarkeiten, erweiterte die Residenz und den Herrengarten in Gratzen und errichtete einen dekorativen Park auf der Insel des Źárský-Teichs.
Franz Leopold war ein typischer Repräsentant eines Rokokoadeligen, der sich über Bälle und Zeitvertreibe amüsiert. Als die Franzosen und Bayern Böhmen besaßen, wies er seinen Patriotismus auch dadurch nach, dass er seinem Sohn den Namen Johann Nepomuk nach einem der Paten des böhmischen Landes gab. Und gerade dieser wurde zum weiteren Eigentümer der Herrschaft. Er wurde durch die karitative Tätigkeit auf seinen Herrschaften berühmt, er orientierte sich auf die Reform des Forstwesens, 1778-83 kam es zur Bildung der Schiffbarkeit einiger Flüsse in der Gratzener Herrschaft und zur Bildung eines Systems der Wasserbeckens – Klausen, die zur Holzschwemmung dienen. Er unterstützte die Gründung der Glashütten und neuer Dörfer. Er bemühte um sich um die Verbesserung des Schulwesens, er gründete Sozialeinrichtungen, er stand bei der Entstehung von Hypoteční banka pro království České (Hypothekenbank für das Königtum Böhmen) und es ist nicht einmal im weiten die Auflistung aller Aktivitäten dieses genialen Veranstalters. Gemeinsam mit seiner Ehefrau gründeten sie den romantischen Park Theresiental und das neue Empireschloss in Gratzen. Er starb ohne Erben.
Die Güter von Buquoy erbt der Neffe Georg Franz August, der berühmte Polyhistor, Volkswirtschafter und Großindustrielle, der von der Wissenschaft eingenommene Sonderling, Bekenner der materiellen Werte und Kontakte mit Freimaurern. In Prag studierte er die Staats- und auch Naturwissenschaften, Mathematik, Physik, Chemie, technische Fachrichtungen, Philosophie, Naturwissenschaften, Maschinenbau, Finanzwesen, Ökonomie. Er hielt freundschaftliche Kontakte und korrespondierte z.B. mit Johan Wolfgang Goethe, André Marie Amoer, F. A. Gerstner und mit vielen anderen. Auf seinen Herrschaften führte er moderne Wirtschaftsverfahren ein, als der ersten in Böhmen kaufe er eine Dampfmaschine ein, er entwickelte die Textilindustrie, die Glasindustrie und die Glashütten. Er erfand und produziertes schwarzes Glas – Hhyalith. Im Jahre 1838 erklärte er zwei Waldflurstücke für das Naturschutzgebiet – Sophienurwald und Heilbrunnurwald. Der einzige Sohn Georg Johann engagierte sich in der katholischen Bewegung, er interessierte sich für die Kunst, er sammelte Antiquitäten, er reiste viel. Im Jahre 1852 baute er das Schweizirische Haus im Theresiental auf und zwei Jahre später ließ er in den Gratzener Wäldern die Jagdhütte Žofín aufbauen. Er ist in der Familiengruft in der Gratzener Kirche begraben.
Karl Bonaventura errichtete das Pensionsinstitut für seine Arbeitnehmer, gründete Spolek na podporu sirotků a vdov pro Nové Hrady a Rožmberk (Verein für Unterstützung der Waisen und Witwen für Gratzen und Rosenberg), ließ die Industriebetriebe gründen, bemühte sich um die Verbesserung der Wirtschaft. Seine Ehefrau stand an der Genese Kinderbewahranstalt in Gratzen. Beide sind in der neuen Gruft im Friedhof in Gratzen begraben.
Die Herrschaft erbte der Neffe Karl Georg. In der Zeit des 1. Weltkriegs half er immer den Bedürftigen, in der Zeit der ersten Republik musste er sich bei der Durchführung der Bodenreform wehren und zur Rettung des Geschlechtserbes und auch der Arbeitsstellen wendete er große Summen auf. Während des zweiten Weltkriegs verstrickte er sich in eine nicht beneidenswerte Situation. Ein großer Teil der Herrschaft befand sich im Grenzgebiet, und möglich deshalb meldeten sich die Buquoy zur deutschen Nationalität an. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde der Graf für den Verräter und Kollaborateur erklärt und in Haft genommen, der Staat konfiszierte sein Vermögen. Während des Kriegs engagierte er sich keinesfalls politisch, und trotzdem wurde er zum Verräter und Germasierer vom Böhmerwald erklärt, er mit seiner ganzen Familie verloren die Staatsbürgschaft und das Vermögen und er starb im Gefängnis. Der Fortsetzer der Hauptlinie des Geschlechts war sein ältester Sohn Ferdinand Buquoy. Seine Kinder, Neffen und Nichten leben heute überwiegend in Deutschland, ihre Versuche um die Restitution des Vermögens in der Tschechischen Republik endeten erfolglos.